Ursprung des Weißen Schweizer Schäferhundes

oder

eine endlich beendete Odyssee

 

Schon der altrömische Ackerbau-Schriftsteller Colunella (etwa 40 n. Ch.) verlangte von einem Hirten- und Schäferhund, dass dieser „weiß“ sein müsste, damit man ihn in der Dämmerung besser von den Wölfen unterscheiden könne. Grund war die nicht seltene Verwechslung von Wölfen mit den eigenen zur Bewachung von Viehherden eingesetzten Hütehunden. Diese Meinung hatte über Jahrhunderte Bestand und auch Conrad Gessner (1536) verlangte ebenfalls von Schäferhunden die Farbe  „weiß“.

 Ende des 19. Jahrhunderts war es das Haus Habsburg, dass aus Elsaß-Lothringen die ersten weißen Schäferhunde einführte. Das mit den Habsburgern befreundete Kaiserhaus der Hohenzollern war von diesen Hunden dermaßen fasziniert und holte sie nach Deutschland. Hier begann die erste Zucht.

1879 wurde der Weiße Schäferhundrüde Greif geboren. Er war der Großvater von

Hektor vom Linksrhein gennant Horand von Grafrath, der mit der ersten Eintragung im Zuchtbuch für Deutsche Schäferhunde (SZ 1) vermerkt war und somit als Stammvater der Rasse des Deutschen Schäferhundes zu betrachten ist.

Horand hinterließ zahlreiche Nachkommen, sein Sohn Champion Hektor von Schwaben stammte aus einer fast weißen Linie.

Berno von der Seewiese (geboren 1913), ebenfalls ein Nachkomme Horand`s , wurde als erster Deutscher Weißer Schäferhund im Zuchtbuch des SV (Deutscher Schäferhundeverein) registriert.

Sein Bild erschien1921 in der ersten Auflage von Stephanitz` Buch:

"Der Deutsche Schäferhund in Wort und Bild"

Es lässt sich heute wohl nicht mehr nachvollziehen, was Rittmeister Max von Stephanitz, der als Vater der Reinzucht des Deutschen Schäferhundes gilt, bewogen hat, im Jahre 1933 der Entscheidung zuzustimmen, den Weißen Schäferhund aus dem Standard des SV zu entfernen.

Biologische Gründe kann man getrost ausschließen, da die Farbe den Gebrauchswert eines Hundes nicht schmälert. Ein möglicher Grund wäre die Denkweise des zu dieser Zeit entstandenen NS-Regimes, alles nicht rein deutsche zu entfernen.

Fazit: Die deutschen weißen Schäferhunde waren keineswegs eine neue Farbmutation, die zu Beginn der Reinzucht des Deutschen Schäferhundes aufgetreten ist. Weiße Schäferhunde gab es schon lange vorher.

In Deutschland wurde der Weiße Schäferhund aufgrund Starrsinns und Dummheit in kürzester Zeit fast ausgerottet. Nur den Emigranten, die aufgrund der Verfolgungen durch das NS-Regime Deutschland verließen, ist es zu verdanken, dass diese edle Rasse weiterhin Bestand hat. Sie nahmen die Weißen Schäferhunde mit nach Amerika und Kanada, wo sie die Zucht fortsetzten.

Die Popularität des Weißen stieg nach Ausstrahlung der ersten „Rin-Tin-Tin“ – Filme, in denen der Hauptdarsteller ein Weißer Schäferhund war, sprunghaft an. Besonders im US-Bundesstaat Kalifornien stand der Weiße Schäferhund, der übrigens bis heute in Amerika und Kanada „German White Shepherd“ genannt wird, an erster Stelle. Er war groß, schwer, mit viel Kraft ausgestattet, ausdauernd und besonders intelligent. Er erlangte einen hohen Status und war in der Rinderarbeit nur schwer durch eine andere Rasse zu ersetzen. Auch bei der Polizei und den Rangern wurde er als Diensthund eingesetzt.

Erst im Jahre 1970 kam der Weiße Schäferhund (zunächst in die Schweiz) wieder nach Europa zurück.

Doch erst im Jahre 1982 kehrte er in sein Heimatland Deutschland zurück. Hier wurde er zunächst fälschlicherweise als AC (Amerikanisch-Canadischer) Weißer Schäferhund bekannt. Es entstand eine Zucht, die jedoch nicht überall so wünschenswert betrieben wurde, wie es für die Rasse gut gewesen wäre. Ein Grund hierfür ist die damalige Haltung des VDH und des SV, die diese Rasse ablehnten, sich nicht weiter um sie kümmerten und der Zucht freien Lauf ließen.

Mit der Gründung von verschiedenen Vereinen wurde die Rasse in den folgenden Jahren organisiert und mit vernünftigen Zuchtrichtlinien weitergezüchtet. Aufgrund einer strengen Kontrolle der Zuchttiere hat sich die Rasse sehr gut gefestigt, so dass der Weiße ein mittlerweile sehr beliebter Familienhund ist. Aber auch als Blindenführhund, Rauschgiftspürhund, Rettungs- und Schutzhund hat er sich bewährt.

1993 erreichte der Rüde Attila-Roy vom Neckarursprung auf der Jugendsiegerprüfung des SWHV den 1. Platz mit 294 Punkten und dem Gesamturteil „vorzüglich“. Im gleichen Jahr wurde er Jugendmeister im SWHV und errang den Sieg als Deutscher Jugendmeister in Potsdam mit ebenfalls 294 Punkten (A=97, B=99, C=98) beim Deutschen Hundesport Verband. Hier verwies er die Elite der anderen teilnehmenden Rassen auf die Plätze.

 1991 wurde die GWS (Gesellschaft Weiße Schäferhunde Schweiz) als Rasseklub in die SKG (Schweizerische Kynologische Gesellschaft) als Mitglied aufgenommen.

1998 registrierte der Raad von Beheer in den Niederlanden die Weißen Schäferhunde. Auch in Österreich, Finnland und Tschechien wurde der Weiße als eigenständige Rasse anerkannt.

In Deutschland dauerte es bis zum Jahr 2002, bis die Weißen Schäferhunde durch die FCI (Welthundeverband) anerkannt wurden. Daraufhin erfolgte ein Antrag durch zwei Vereine an den deutschen VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen e. V.) um Aufnahme des Weißen Schäferhundes.

Im Jahre 2003 wurde er als Weißer Schweizer Schäferhund (in Anlehnung an die erstmalige Anerkennung des Weißen in der Schweiz) im VDH registriert.

Eine Jahrzehnte lange Irrfahrt scheint somit endgültig beendet zu sein.

 

 

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